Wo Kunst & Handwerk verschmelzen, verliert das Wort „schön“ an Bedeutung.
Über eine Lehrerin, einen Satz und eine Haltung, die geblieben ist.
SCHAFFEN & WIRKEN
Ein notwendigerweise kurzer Einblick: Claudia Amelunxen, geboren 1957, ist eine deutsche Künstlerin und Keramikerin. Sie war Schülerin von Johannes Gebhardt, der von 1956 bis 1994 die Fachklasse Keramik an der heutigen Muthesius Kunsthochschule in Kiel leitete.
1992 war sie Stipendiatin für Bildende Kunst am Künstler:innenhaus Lauenburg. Im Zusammenhang mit ihrem Aufenthalt erschien der Ausstellungskatalog „Keramische Plastik“.
Im Jahr 2000 zeigte u. a. das Museum Eckernförde Arbeiten von Claudia Amelunxen und Anja Klafki in einer gemeinsamen Ausstellung zu Keramik und Grafik.
2023 war Claudia Amelunxen außerdem an der Ausstellung „Klasse Keramik!“ im Atelierhaus des Anscharcampus in Kiel beteiligt. Die Ausstellung versammelte Arbeiten ehemaliger Schüler:innen von Johannes Gebhardt und erinnerte an dessen prägende Keramikklasse.
Zu ihrer Arbeit gehörte ebenso die Vermittlung von Wissen, gestalterischem Fingerspitzengefühl und eines kritischen, analytischen Blicks. Mich persönlich hat sie damit stärker geprägt als jede Lehrkraft, die nach ihr kam.
LEHREN & PRÄGEN
Claudia Amelunxen war 2010–2013 meine Lehrerin für Kunstgeschichte und Gestaltungstheorie am RBZ1 Kiel und begleitete dort gestalterische Projekte. Unter unseren Bewertungen stand ihr Kürzel: [AME]. Unter ihrer künstlerischen Anleitung und geprägt von ihrem kritischen Blick entstanden zahlreiche Arbeiten von Schüler:innen, die auch in Ausstellungen präsentiert wurden.
Aus ihrem Unterricht ist mir insbesondere ein Satz bis heute geblieben: „Schön ist kein Bewertungskriterium.“ Er bedeutet nicht, dass Gestaltung nicht schön sein darf – gemeint ist vielmehr, dass „schön“ allein noch nichts erklärt oder begründet und kein nachvollziehbares Urteil ermöglicht. Das bloße Etikett wird dem Werk nicht gerecht. Gestaltung braucht einen Gedanken, einen Kontext und einen nachvollziehbaren Maßstab. Sie lässt sich anhand von Kriterien betrachten und einordnen, die sich benennen und diskutieren lassen.
Diese Haltung prägt meinen Blick bis heute. Sie steckt im Hinterfragen, im genauen Hinsehen und in der Frage, was Gestaltung bewirkt – jenseits des ersten Eindrucks.
— Timo Niels Lindner
„Schön ist kein
Bewertungskriterium.“
Künstlerin und Kunstpädagogin · Lehrkraft für Kunstgeschichte & Gestaltungstheorie