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Die Aufklärung

Eine Epoche zwischen den Zeilen.

Die Aufklärung als Literaturepoche war Ausgangspunkt einer umfassenderen Spurensuche: Neben Autor:innen, Werken und literarischen Formen wurden auch Kunst, Architektur, Politik und Gesellschaft in ihren historischen Zusammenhang gebracht. Aus der eigenständigen Recherche entstand ein Vortrag mit bewegter Zeitleiste, Handout und Epochenplakat – verbunden durch eine visuelle Sprache, die den Charakter der Zeit aufgreift.

Eine Epoche im Zusammenhang.

Die Aufgabenstellung im Fach Deutsch & Kommunikation bei Beate Schatte-Pape [SAP] an der Fachoberstufe Gestaltung der BBS 1 Kiel begann mit dem Zufall: Jede Literaturepoche wurde zugelost. Für die Aufklärung galt es anschließend, ihre Literatur zu recherchieren und in den zeitgenössischen Kontext einzuordnen. Neben Drama, Epik/Roman, Lyrik und der aufklärerischen Sonderform, der Fabel, standen die Funktion und Folgen der Literatur der Aufklärung im Mittelpunkt. Kunst und Architektur sowie politische und gesellschaftliche Entwicklungen erweiterten die Betrachtung über die Literatur hinaus. Eine bewegte Zeitleiste brachte Personen, Werke und Ereignisse schließlich in einen gemeinsamen chronologischen Zusammenhang.

Gestaltung als Teil der Vermittlung.

Auch die Gestaltung sollte die Epoche nicht nur begleiten, sondern ihren historischen Kontext aufgreifen. Bewusst ausgewählte, historisch passende oder anmutende Schriften treffen auf zeitgenössisches Bildmaterial und eine reduzierte Schwarzweiß-Gestaltung. Handout und Epochenplakat wurden auf Kraftpapier gedruckt und übertrugen diese Anmutung bis in Material und Haptik – im modernen Gewand. Satz, Bildbearbeitung und Informationshierarchie verbinden die unterschiedlichen Inhalte zu einer gemeinsamen visuellen Sprache.

Sapere Aude!

„Wage es, weise zu sein!“ – der ursprünglich auf Horaz zurückgehende Ausspruch wurde durch Immanuel Kant zum Wahlspruch der Aufklärung: als Aufforderung, den Mut aufzubringen, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Für die Auseinandersetzung mit der Epoche wurde dieser Gedanke zentral und fand deshalb auch auf dem Epochenplakat einen prominenten Platz.

Wissen vermitteln. Denken anregen.

Vortrag, Zeitleiste, Handout und Epochenplakat übersetzen die recherchierten Inhalte in unterschiedliche Formate. Aus der Aufgabe zur Literaturgeschichte entstand so eine Arbeit, in der Recherche, Einordnung und Gestaltung zusammenwirken – vom gesprochenen Vortrag bis zur gedruckten Informationsfläche.

Der Blinde und der Lahme

Von ungefähr muß einen Blinden
Ein Lahmer auf der Straße finden,
Und jener hofft schon freudenvoll,
Daß ihn der andre leiten soll.

Dir, spricht der Lahme, beyzustehen?
Ich armer Mann kann selbst nicht gehen;
Doch scheints, daß du zu einer Last
Noch sehr gesunde Schultern hast.

Entschließe dich, mich fortzutragen,
So will ich dir die Stege sagen:
So wird dein starker Fuß mein Bein,
Mein helles Auge deines seyn.

Der Lahme hängt, mit seinen Krücken,
Sich auf des Blinden breiten Rücken.
Vereint wirkt also dieses Paar,
Was einzeln keinem möglich war.

Du hast das nicht, was andre haben,
Und andern mangeln deine Gaben;
Aus dieser Unvollkommenheit
Entspringet die Geselligkeit.

Wenn jenem nicht die Gabe fehlte,
Die die Natur für mich erwählte:
So würd er nur für sich allein,
Und nicht für mich bekümmert seyn.

Beschwer die Götter nicht mit Klagen!
Der Vortheil, den sie dir versagen,
Und jenem schenken, wird gemein,
Wir dürfen nur gesellig seyn.

Christian Fürchtegott Gellert, 1769

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