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ArtDirection | 6. Fachsemester

Konsequenz wird sichtbar und erfahrbar.

Wie lässt sich fairer Handel nicht nur kommunizieren, sondern sichtbar, greifbar und erlebbar machen? Aus einem ArtDirection-Briefing für ein fiktives Café- und Store-Franchise der GEPA entstand CONsequence™: ein ganzheitliches Markensystem, das Transparenz und Nachhaltigkeit von der visuellen Identität über Material und Packaging bis in Raum und Kommunikation weiterdenkt. [W.I.P.]

Mehr als eine neue Café-Marke

Ausgangspunkt war ein ArtDirection-Briefing für die Entwicklung eines neuen Café- und Store-Franchise im Kontext der GEPA. Gefordert war die Entwicklung eines eigenständigen Markenauftritts – vom Naming über Corporate Design und Raum bis zu Produkten, Packaging und Kommunikation.

Mein persönlicher Bezug zu Kaffee traf dabei auf die Frage, wie global gerechtere Wirtschaftsweisen und nachhaltige Produktion gestalterisch vermittelt werden können. Denn bewusster Konsum setzt voraus, die Konsequenzen einer Entscheidung überhaupt einschätzen zu können – während Herkunft, Produktionsbedingungen, Materialeinsatz und tatsächliche Auswirkungen am Point of Sale häufig nur fragmentarisch oder gar nicht sichtbar sind. Statt Fairness lediglich über Siegel und Botschaften zu behaupten, sollte eine Marke entstehen, bei der die Konsequenzen bewusster Entscheidungen selbst zum Erlebnis werden.

GEPA bietet dafür mehr als einen thematischen Absender: Langjährige Handelspartnerschaften, faire Preisstrukturen und der Anspruch transparenter Lieferketten bilden die glaubwürdige Grundlage, auf der CONsequence ein zeitgemäßes, urbanes Markenerlebnis entwickelt.

Einen tieferen Einblick in Recherche, Strategie und konzeptionelle Entwicklung gibt das vollständige Projektkonzept – hier einsehen.

Eine Entscheidung mit Folgen

CON steht für Gemeinschaft und Verbindung, SEQUENCE für Folge und Ordnung, CONSEQUENCE für die Folge von Handlungen – und zugleich für die Konsequenz, eine Haltung folgerichtig umzusetzen. Im Namen CONsequence verdichten sich diese Ebenen zur zentralen Idee: Konsum hat Folgen – und genau diese sollen sichtbar werden. Daraus entwickelte sich die strategische Leitidee „Konsequenz sichtbar & bewusst machen.“

Die Marke positioniert sich zwischen konsequenter Nachhaltigkeit, maximaler Transparenz und Alltagstauglichkeit. Nicht Verzicht, sondern Nachvollziehbarkeit wird zum Ausgangspunkt: Woher kommt ein Produkt? Woraus besteht seine Verpackung? Welche Materialien werden eingesetzt – und was bleibt davon zurück? Dabei soll Nachhaltigkeit nicht zur Zugangshürde werden: Ein gutes Produkt, eine angenehme Atmosphäre und ein funktionierender Cafébesuch stehen zunächst für sich. Wer tiefer einsteigen möchte, findet weitere Ebenen der Information. Bewusster Konsum soll so Teil urbaner Alltagskultur werden, nicht deren Sonderfall.

Ein Zeichen, das Einblick gibt

Aus der abstrahierten Kaffeebohne entstand ein responsives Zeichensystem. Aus ihrer Teilung entwickeln sich unterschiedliche Logoformate. Zugleich funktioniert die Bildmarke als Stempel und Icon – und als funktionales Gestaltungselement.

Auf Verpackungen wird die Bildmarke zum Sichtfenster auf das Produkt. In räumlichen Anwendungen kann dasselbe Prinzip Öffnungen und Durchblicke markieren. Transparenz wird damit nicht nur behauptet, sondern in der Gestaltung selbst erfahrbar: Das Zeichen zeigt, was dahinterliegt.

Farbe beginnt beim Material

Die Farbwelt von CONsequence wurde nicht als losgelöste Palette gedacht. Papier, Karton, Holz, Textilien, Kaffee und weitere natürliche oder wiederverwendete Materialien prägen das Erscheinungsbild und werden selbst zu Farbträgern.

Die Materialpalette verbindet Töne wie Presso-Braun, Prato-Grün, Caramellito-Braun, Schiuma-Weiß und neutrales Puro mit konkreten haptischen Referenzen. Tostatura ergänzt das System als Prinzip der Transformation durch Röstung, Druck, Abrieb und unregelmäßige Oberflächen.

Wenn Abfall zur Druckfarbe wird

Auch die Produktion folgt dem Prinzip der Konsequenz. Graspapier und alternative Papiere treffen auf die Idee, natürliche Rest- und Abfallstoffe weiterzuverwenden: Pulverisierter Kaffeesatz wurde bereits als Pigment für Stempeldruck erprobt und wird darüber hinaus als Bestandteil neuer Produkte gedacht – beispielsweise als Peelingkomponente sowie Duft- und Farbgeber einer Körperseife. Unregelmäßigkeiten, Abrieb und unterschiedliche Deckung werden beim Druck nicht kaschiert, sondern bewusst zugelassen.

So entsteht eine rohe, analoge Ästhetik, in der Unregelmäßigkeit nicht als Fehler behandelt wird. Materialeigenschaften, Druckspuren und bewusst eingesetzte Gebrauchsspuren prägen eine visuelle Sprache, die das Nachhaltigkeitsprinzip gestalterisch weiterträgt.

Was drin ist, darf sichtbar sein – ebenso, wer es geschaffen hat

Im Packaging wird das Gestaltungssystem physisch. Die Bohnenform öffnet Verpackungen als Sichtfenster, Banderolen strukturieren Informationen und materialbewusste Konstruktionen übertragen die Markenhaltung auf das Produkt. Die Vorderseite gibt neben dem Produktnamen Aufschluss über Herkunft, Produktionsdatum und Haltbarkeit. Produzierende unterschreiben jede Verpackung handschriftlich – das unterstreicht den Handmade-Charakter und rückt zugleich die Menschen hinter den Produkten in den Fokus.

Auf der Rückseite erfolgt die erste vollständige Nennung der Marke, auf die auf der Vorderseite bewusst verzichtet wird. Neben einer kurzen Vorstellung der Produzierenden finden sich dort alle rechtlich notwendigen Produktinformationen. Ein eigens entwickeltes Piktogrammsystem bündelt zusätzlich relevante Produkt-, Material- und Nutzungshinweise und macht sie schnell erfassbar.

QR-Codes erweitern dieses Prinzip über die Verpackung hinaus: Sie führen zu weiterführenden Informationen über die Produzierenden, ihre Lebensrealitäten, die vorgesehenen Auswirkungen und Vorteile einer Zusammenarbeit mit CONsequence sowie die Konsequenzen der jeweiligen Kaufentscheidung. Was physisch keinen Platz auf der Verpackung findet, bleibt so dennoch nachvollziehbar. Im Store übernimmt derselbe Code zugleich die Funktion der Produkterfassung im Kassensystem.

Für die Vertiefung entstanden reale Prototypen: eine Flasche mit Etikett für Espresso Martini, eine Schokoladentafel mit Verpackung und Banderole sowie eine Schachtel mit Banderole und drei einzelnen Schokoladenplättchen als beispielhaftem Inhalt. Ergänzende Mockups erproben das System als skalierbare Produktfamilie.

Vom Produkt in den Raum

CONsequence ist als Café- und Store-System angelegt. Die Identität überträgt sich deshalb auf Fassade, Orientierung, Einrichtung und räumliche Kommunikation. Wiederverwendete Materialien, sichtbare Strukturen und das Prinzip des Einblicks führen die Markenidee vom zweidimensionalen Erscheinungsbild in den physischen Raum.

Der Store ist dabei mehr als Verkaufs- und Gastronomiefläche. Als zentraler Erlebnisraum der Marke soll er zugleich Treffpunkt, Veranstaltungsort und Plattform für Austausch und Vernetzung sein. Materialwahl, Nutzung und Kommunikation transportieren damit nicht nur dieselbe Haltung – sie schaffen einen Ort, an dem diese Haltung gemeinsam erlebt werden kann.

Eine Marke, die aktiviert

Nachhaltigkeit endet nicht am Point of Sale. Für CONsequence entstand deshalb eine Kommunikationsidee, die Information, Beteiligung und lokale Aktivierung verbindet: ausgediente Möbel gegen Kaffeegutscheine eintauschen, Produzent:innen vorstellen, gemeinsam kochen, über fairen Handel diskutieren oder den Store für Veranstaltungen und Begegnung nutzen. So entsteht ein Erlebnisort, an dem mensch nicht nur konsumiert, sondern sich beteiligt, austauscht und mit der Haltung der Marke identifizieren kann.

Die Marke wird damit zur Plattform für Austausch. Aus der visuellen Haltung entsteht ein programmatischer Anspruch: bewussten Konsum nicht nur erklären, sondern Anlässe schaffen, ihn gemeinsam zu erleben.

Von der Marke zum Klick

Für Paid Media wurde das Erscheinungsbild auf zwei animierte Anzeigenformate übertragen. Besonders das Motiv „Make your choice: Business as usual / CONsequence“ verdichtet die Markenidee zu einer unmittelbaren Entscheidung und macht den Namen selbst zum Call-to-Action.

Die reduzierten Formate zeigen, dass das System auch außerhalb materialreicher Anwendungen funktioniert: Typografie, Wortmarke und Haltung bleiben selbst auf wenigen Pixeln wiedererkennbar.

Konsequent weiter – und darüber hinaus

Aus einem vorgegebenen Café-Briefing entwickelte sich ein Markensystem, das Strategie, Identität, Material, Packaging, Raum und Kommunikation miteinander verbindet. Einzelne Anwendungen folgen dabei nicht nur derselben Optik, sondern demselben Prinzip: Transparenz sichtbar machen und Nachhaltigkeit möglichst dort verankern, wo Gestaltung tatsächlich Wirkung entfaltet.
In der abschließenden Bewertung wurde besonders die Ganzheitlichkeit des Systems hervorgehoben und das Konzept als nahezu produktionsfähig eingeschätzt. Auch im Packaging wurde positiv bewertet, dass Nachhaltigkeit nicht als Zusatz behandelt, sondern bis in Materialwahl und Konstruktion weitergedacht wurde.

Das Projekt CONsequence werde ich nach Rücksprache mit meinen Dozent:innen im kommenden Semester in meine Abschlussarbeit überführen. Dort möchte ich die bisher gestalterisch entwickelten Prinzipien weiterdenken und praktisch untersuchen: ein genossenschaftliches System entwickeln und testen, die Auswirkungen konkreter Kaufentscheidungen am POS sichtbar und erfahrbar machen und nicht zuletzt an den hier konzipierten Farben und Materialien forschen.

Ein weiterer Schwerpunkt soll die Frage sein, wie Verpackungen über Recycling und Kompostierbarkeit hinausgedacht werden können. Ziel ist unter anderem, eine Verpackung zu entwickeln, die nach ihrer Nutzung nicht nur möglichst rückstandsfrei in den biologischen Kreislauf zurückkehrt, sondern deren Material einen positiven Beitrag zu Kompost, Bodenprozessen oder Pflanzsubstraten leisten könnte. Ob und wie dies möglich ist, soll Teil der Untersuchung werden.

Für diese Fragestellung suche ich den fachlichen Austausch mit Expert:innen aus Umwelt- und Bodenmikrobiologie, Bodenkunde, Materialwissenschaft und angrenzenden Bereichen. Wenn dich die Fragestellung interessiert oder du eine fachliche Perspektive beitragen möchtest, freue ich mich über eine Nachricht. Eine erste Forschungsfrage könnte lauten:

Kann eine biologisch abbaubare Verpackung so konzipiert werden, dass sie nach ihrer Nutzung nicht nur abgebaut wird, sondern während ihrer Zersetzung einen positiven Beitrag zu Kompost oder Pflanzsubstrat leistet?

Bild- & Projektnachweis

PROJEKT
CONsequence™ by GEPA entstand als Studienprojekt im 6. Semester Kommunikationsdesign. GEPA war als thematischer Ausgangspunkt des ArtDirection-Briefings vorgegeben und nicht Auftraggeberin des Projekts.

KONZEPT & DESIGN
Konzeption, Naming, Art Direction, Corporate Design, Packaging Design, Spatial Design, Kommunikationsdesign und Ausarbeitung: Timo Niels Lindner.

PROTOTYPEN
Gestaltung, Fertigung und Fotografie der Packaging-Prototypen: Timo Niels Lindner.

MOCKUPS
Ausgewählte Anwendungen basieren auf Mockup-Vorlagen externer Anbieter:innen; Gestaltung und Adaption: Timo Niels Lindner.

KI-VISUALISIERUNG & BEARBEITUNG
Ausgewählte Außenansichten wurden mithilfe von ChatGPT auf Basis eigener Standortfotografien und eigener gestalterischer Vorgaben visualisiert. Das Ausgangsbild des Coffee-Bikes von United eBike wurde mithilfe von ChatGPT von bestehenden Farben und Gestaltungsmerkmalen bereinigt und anschließend von Timo Niels Lindner in Adobe Photoshop als CONsequence-Mockup ausgearbeitet.

STUDIUM
ArtDirection: Andreas Petersen · Packaging Design: Razan Sabbagh · Online Portfolio / Paid Media: Carlos Wallut.

Weitere Projekte: