Konsequenz wird sichtbar und erfahrbar.
Mehr als eine neue Café-Marke
Ausgangspunkt war ein ArtDirection-Briefing für die Entwicklung eines neuen Café- und Store-Franchise im Kontext der GEPA. Gefordert war die Entwicklung eines eigenständigen Markenauftritts – vom Naming über Corporate Design und Raum bis zu Produkten, Packaging und Kommunikation.
Mein persönlicher Bezug zu Kaffee traf dabei auf die Frage, wie global gerechtere Wirtschaftsweisen und nachhaltige Produktion gestalterisch vermittelt werden können. Statt Fairness lediglich über Siegel und Botschaften zu behaupten, sollte eine Marke entstehen, bei der die Konsequenzen bewusster Entscheidungen selbst zum Erlebnis werden.
Eine Entscheidung mit Folgen
CON steht für Gemeinschaft und Verbindung, SEQUENCE für Folge und Ordnung, CONSEQUENCE für die Folge von Handlungen. Im Namen CONsequence verdichten sich diese Ebenen zur zentralen Idee: Konsum hat Folgen – und genau diese sollen sichtbar werden. Daraus entwickelte sich die strategische Leitidee „Konsequenz sichtbar & bewusst machen.“
Die Marke positioniert sich zwischen konsequenter Nachhaltigkeit, maximaler Transparenz und Alltagstauglichkeit. Nicht Verzicht, sondern Nachvollziehbarkeit wird zum Ausgangspunkt: Woher kommt ein Produkt? Woraus besteht seine Verpackung? Welche Materialien werden eingesetzt – und was bleibt davon zurück?
Ein Zeichen, das Einblick gibt
Aus der abstrahierten Kaffeebohne entstand ein responsives Zeichensystem. Aus ihrer Teilung entwickeln sich unterschiedliche Logoformate. Zugleich funktioniert die Bildmarke als Stempel und Icon – und als funktionales Gestaltungselement.
Auf Verpackungen wird die Bildmarke zum Sichtfenster auf das Produkt. In räumlichen Anwendungen kann dasselbe Prinzip Öffnungen und Durchblicke markieren. Transparenz wird damit nicht nur behauptet, sondern in der Gestaltung selbst erfahrbar: Das Zeichen zeigt, was dahinterliegt.
Farbe beginnt beim Material
Die Farbwelt von CONsequence wurde nicht als losgelöste Palette gedacht. Papier, Karton, Holz, Textilien, Kaffee und weitere natürliche oder wiederverwendete Materialien prägen das Erscheinungsbild und werden selbst zu Farbträgern.
Die Materialpalette verbindet Töne wie Presso, Caramellato, Prato, Consequencia, Tostatura, Confianza, Mundo und Schiuma mit konkreten haptischen Referenzen. Statt Nachhaltigkeit nachträglich auf eine Oberfläche zu drucken, soll sie möglichst bereits in deren Beschaffenheit sichtbar werden.
Wenn Abfall zur Druckfarbe wird
Auch die Produktion folgt dem Prinzip der Konsequenz. Graspapier und alternative Papiere treffen auf die Idee, natürliche Rest- und Abfallstoffe als pigmentierende oder färbende Bestandteile einzusetzen. Unregelmäßigkeiten, Abrieb und unterschiedliche Deckung werden dabei nicht kaschiert, sondern bewusst zugelassen.
So entsteht eine rohe, analoge Ästhetik, in der Unregelmäßigkeit nicht als Fehler behandelt wird. Materialeigenschaften, Druckspuren und bewusst eingesetzte Gebrauchsspuren prägen eine visuelle Sprache, die das Nachhaltigkeitsprinzip gestalterisch weiterträgt.
Was drin ist, darf sichtbar sein
Im Packaging wird das Gestaltungssystem physisch. Die Bohnenform öffnet Verpackungen als Sichtfenster, Banderolen strukturieren Informationen und materialbewusste Konstruktionen übertragen die Markenhaltung auf das Produkt.
Für die Vertiefung entstanden reale Prototypen: eine Flasche mit Etikett, eine Schokoladentafel mit Verpackung und Banderole sowie eine Schachtel mit Banderole und drei einzelnen Schokoladenplättchen. Ergänzende Mockups erproben das System als skalierbare Produktfamilie.
Vom Produkt in den Raum
CONsequence ist als Café- und Store-System angelegt. Die Identität überträgt sich deshalb auf Fassade, Orientierung, Einrichtung und räumliche Kommunikation. Wiederverwendete Materialien, sichtbare Strukturen und das Prinzip des Einblicks führen die Markenidee vom zweidimensionalen Erscheinungsbild in den physischen Raum.
Auch hier geht es nicht um eine dekorierte Verkaufsfläche, sondern um eine Umgebung, in der Materialwahl, Nutzung und Kommunikation dieselbe Haltung transportieren.
Eine Marke, die aktiviert
Nachhaltigkeit endet nicht am Point of Sale. Für CONsequence entstand deshalb eine Kommunikationsidee, die Information, Beteiligung und lokale Aktivierung verbindet: ausgediente Möbel gegen Kaffeegutscheine eintauschen, Produzent:innen vorstellen, gemeinsam kochen, über fairen Handel diskutieren oder Veranstaltungen als Treffpunkt nutzen. So entsteht ein Erlebnisort, an dem mensch nicht nur konsumiert, sondern sich beteiligt, austauscht und mit der Haltung der Marke identifizieren kann.
Die Marke wird damit zur Plattform für Austausch. Aus der visuellen Haltung entsteht ein programmatischer Anspruch: bewussten Konsum nicht nur erklären, sondern Anlässe schaffen, ihn gemeinsam zu erleben.
Von der Marke zum Klick
Für Paid Media wurde das Erscheinungsbild auf zwei animierte Anzeigenformate übertragen. Besonders das Motiv „Make your choice: Business as usual / CONsequence“ verdichtet die Markenidee zu einer unmittelbaren Entscheidung und macht den Namen selbst zum Call-to-Action.
Die reduzierten Formate zeigen, dass das System auch außerhalb materialreicher Anwendungen funktioniert: Typografie, Wortmarke und Haltung bleiben selbst auf wenigen Pixeln wiedererkennbar.
Konsequent zu Ende gedacht
Aus einem vorgegebenen Café-Briefing entwickelte sich ein Markensystem, das Strategie, Identität, Material, Packaging, Raum und Kommunikation miteinander verbindet. Einzelne Anwendungen folgen dabei nicht nur derselben Optik, sondern demselben Prinzip: Transparenz sichtbar machen und Nachhaltigkeit möglichst dort verankern, wo Gestaltung tatsächlich Wirkung entfaltet.
In der abschließenden Bewertung wurde besonders die Ganzheitlichkeit des Systems hervorgehoben und das Konzept als nahezu produktionsfähig eingeschätzt. Auch im Packaging wurde positiv bewertet, dass Nachhaltigkeit nicht als Zusatz behandelt, sondern bis in Materialwahl und Konstruktion weitergedacht wurde.
Bild- & Projektnachweis
PROJEKT
CONsequence™ by GEPA entstand als Studienprojekt im 6. Semester Kommunikationsdesign. GEPA war als thematischer Ausgangspunkt des ArtDirection-Briefings vorgegeben und nicht Auftraggeberin des Projekts.
KONZEPT & DESIGN
Konzeption, Naming, Art Direction, Corporate Design, Packaging Design, Kommunikationsdesign und Ausarbeitung: Timo Niels Lindner.
PROTOTYPEN
Packaging-Prototypen von Timo Niels Lindner gestaltet, gefertigt und fotografiert.
MOCKUPS
Ausgewählte Anwendungen basieren auf Mockup-Vorlagen externer Anbieter:innen; Gestaltung und Adaption: Timo Niels Lindner.
KI-VISUALISIERUNG
Ausgewählte Außenansichten wurden mithilfe von ChatGPT auf Basis eigener Standortfotografien und eigener gestalterischer Vorgaben visualisiert.
STUDIUM
ArtDirection: Andreas Petersen · Packaging Design: Razan Sabbagh · Online Portfolio / Paid Media: Carlos Wallut.