Wo Tradition neu aufgetischt wird
Alm, aber anders.
LODGE entstand 2024 als freies, fiktives Projekt aus dem Wunsch heraus, die vertraute Bildwelt alpiner Gastronomie neu zu denken. Statt Holzschrift, Hirschsilhouette und Hüttenfolklore lediglich zeitgemäß aufzubereiten, sollte eine eigenständige Welt entstehen: traditionsbewusst, aber nicht altbacken; hochwertig, aber nicht elitär; regional verwurzelt und zugleich offen für eine neue Generation von Gästen.
Das Konzept richtet sich an design- und qualitätsaffine Einheimische und Reisende, die regionale Küche und alpine Kultur schätzen, sich von klassischer Hüttenfolklore jedoch kaum angesprochen fühlen. LODGE soll sich bequem, frisch und selbstverständlich anfühlen – wie eine Jägeralm, die im Heute angekommen ist.
Zwei Jägerinnen und ihre Lodge
Der Name greift bewusst zwei Bedeutungen auf: die Lodge als Schutzhütte und als Ferienresidenz. Aus dieser Verbindung entwickelt sich eine moderne Interpretation des Rückzugsortes in den Bergen. Gastgeberinnen sind zwei Jägerinnen, deren eigenes Wild einen wesentlichen Teil der Küche bildet.
Bereits der Zusatz „Die Jäger:innenalm“ macht den konzeptionellen Bruch sichtbar. Die traditionelle Welt der Jagd bleibt erkennbar, wird jedoch sprachlich und gestalterisch aus ihrer gewohnten Rolle gelöst. Diese Reibung ist kein Nebeneffekt, sondern Teil der Markenpersönlichkeit: selbstbewusst, ein wenig augenzwinkernd und ohne die eigene Herkunft zu verleugnen.
Zwischen Geweih und Geometrie
Das responsive Logosystem verdichtet diesen Gedanken in drei Elemente. Das Geweih verweist unmittelbar auf Jagd und Wildküche. Zwischen seinen Stangen steht die abstrahierte Silhouette der LODGE. Natur, Architektur und gastronomisches Konzept werden damit zu einem gemeinsamen Zeichen.
Auch typografisch begegnen sich zwei Welten. Chennai Slab übersetzt mit ihrer konstruierten, klaren Formensprache die Geometrie des Gebäudes in Schrift. FF Brokenscript stellt ihr eine historisch konnotierte gebrochene Schrift gegenüber und verankert die Wortmarke sichtbar in einer traditionellen mitteleuropäischen Schriftkultur. Der Kontrast der Schriften wiederholt damit auf typografischer Ebene das Verhältnis von reduziertem Gebäude und organischem Geweih.
Aus diesen Elementen entsteht ein responsives Logosystem, das je nach Anwendung unterschiedlich stark verdichtet werden kann: von der vollständigen Wort-Bild-Marke über das kreisförmige Signet bis zur reduzierten Kombination aus Geweih und Gebäude. Gerade diese Anpassungsfähigkeit wurde zum zentralen Baustein der visuellen Identität – vom Fassadenschild bis zum kleinen Pin.
Von Jäger:innengrün bis Edelweiß
Auch die Farbwelt wird nicht künstlich über die alpine Umgebung gelegt, sondern aus ihr entwickelt. Das tiefe Jäger:innengrün zitiert den grünen Filz traditioneller Jagdbekleidung und bildet die charakteristische Grundfarbe. Das leuchtende Gelb ist dem Pollenstand des Edelweiß entnommen, während Braun auf Holz, Interieur und Gewehrschaft verweist.
Das Edelweiß erweitert diese Welt um ein weicheres, florales Element. Die eigens entwickelte Illustration begegnet den Gästen auf Printmedien, Textilien und Ausstattung und findet ihr reales Gegenstück in Dekoration und Außenbepflanzung. Farbe, Material und Illustration verbinden so die grafische Identität mit dem tatsächlichen Ort.
Wild von hier. Wein mit Wortwitz.
Was die Marke visuell verspricht, setzt die Küche inhaltlich fort. Im Mittelpunkt stehen Wild, alpine Gerichte und regionale Zutaten. Pflanzliche Bestandteile stammen aus regionalem, nachhaltigem Anbau; das Wild aus der eigenen Jagd der beiden Jägerinnen. Es wird im eigenen Betrieb zerlegt, verarbeitet und haltbar gemacht. Herkunft und Verarbeitung bleiben damit bewusst nah am gastronomischen Betrieb.
Selbst einzelne Produkte greifen die sprachliche und gestalterische Haltung der Marke auf. Aus einem edlen Weißwein wird augenzwinkernd „EDELweiss“ – ein Wortspiel, das Produkt, Alpenflora und Markenwelt miteinander verbindet. LODGE kommuniziert Regionalität damit nicht als aufgesetztes Nachhaltigkeitsversprechen, sondern macht Herkunft zum Bestandteil des gastronomischen Gesamtkonzepts.
Tradition darf auch Spaß machen
LODGE soll kein stilles Designrestaurant sein. Die Markenwelt lässt bewusst Raum für Humor, Begegnung und kulturelles Leben. Speisekarten, Tischkommunikation, Beschilderung, Textilien und weitere Anwendungen übersetzen die Identität deshalb mit wechselnder Lautstärke in den Alltag des Betriebs.
Besonders deutlich wird das bei „Austria Alternative“: Jeden Mittwoch wird die Alm zur Bühne für Live-Musik zwischen Austropop und Alternative. Aus der traditionellen Alm wird damit ein zeitgenössischer Treffpunkt – und aus dem Erscheinungsbild ein System, das zwischen hochwertiger Gastronomie, augenzwinkernder Kommunikation und Veranstaltungskultur wechseln kann.
So bleibt von der klassischen Jägeralm genügend übrig, um ihre Herkunft zu erkennen. Aber eben nicht genug, um sie mit ihr zu verwechseln.