Branding · Digital Design · Illustration · Typografie
Baba’s Kitchen Schönberg

Vom Abendessen zum Erscheinungsbild

Was als unkomplizierter Freundschaftsdienst begann, entwickelte sich zu einer umfassenden Zusammenarbeit mit einem lokalen Gastronomiebetrieb. Für Baba’s Kitchen entstand aus einer zunächst geplanten Website Schritt für Schritt ein medienübergreifendes Erscheinungsbild – von der digitalen Speisekarte über Print- und Geschäftsausstattung bis zur Kommunikation im Restaurant und auf lokalen Onlineplattformen.

Eigentlich nur eine Website

Mitten in der Pandemie eröffnete Baba’s Kitchen in Schönberg – mit arabischen Spezialitäten, Pizza und Croques und einem für klassische Schnellgastronomie ungewöhnlich hochwertig gestalteten Gastraum. Als im Gespräch mit Inhaberin Arpi Zafarian die wiederkehrenden Probleme mit der bestehenden Speisekarte zur Sprache kamen, schien mir die naheliegendere Lösung zunächst digital: Statt bei jeder Änderung neue Druckkosten zu verursachen, sollte eine Website das gesamte Angebot bündeln und unkompliziert aktualisierbar machen.

Da zu diesem Zeitpunkt noch ein Vertragsverhältnis mit dem bisherigen Dienstleister bestand, entstand die Website zunächst als Freundschaftsdienst – im Tausch gegen ein ausgiebiges Abendessen für meinen Partner und mich. Gestaltung und technische Umsetzung erfolgten mit WordPress und Elementor. Aus dieser zunächst kleinen Lösung sollte allerdings deutlich mehr werden.

Hinter der Karte steckte ein anderes Problem

Bei der Übertragung des Angebots auf die Website wurde deutlich, warum die Speisekarte zuvor wiederholt Schwierigkeiten bereitet hatte. Das Gesundheitsamt hatte mehrfach die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen und Allergenen beanstandet. Was zunächst wie ein Gestaltungsproblem erschien, war vor allem ein Problem der Informationsstruktur.

Ich recherchierte die geltenden Anforderungen und arbeitete gemeinsam mit Baba’s Kitchen Gericht für Gericht und Zutat für Zutat auf. Daraus entstand eine systematische Kennzeichnung von Inhaltsstoffen und Allergenen, die zunächst digital eingebunden und anschließend auch als gedruckte Übersicht für Gäste umgesetzt wurde. Die neue Ausweisung wurde vom Gesundheitsamt akzeptiert und bildete schließlich auch die Grundlage für eine überarbeitete gedruckte Speisekarte.

Aus einem Logo wird ein System

Mit der Lösung des ursprünglichen Problems entwickelte sich aus dem Freundschaftsdienst eine reguläre Zusammenarbeit. Baba’s Kitchen übertrug mir die weitere visuelle Kommunikation des Betriebs und gab mir dabei weitgehend freie Hand. Ziel war dabei kein vollständiger Neustart, sondern die vorhandene Identität so weiterzuentwickeln, dass sie über sehr unterschiedliche Anwendungen hinweg konsistent funktionieren konnte.

Das bestehende Logo wurde behutsam reduziert und in Details verfeinert. Zusätzlich extrahierte ich den Schriftzug „Baba’s Kitchen“ aus dem Signet und etablierte ihn als reduzierte Logo-Abstufung für Anwendungen, in denen das runde Gesamtzeichen nicht sinnvoll eingesetzt werden konnte. Die darin verwendete Schreibschrift Freestyle wurde zugleich zum wiederkehrenden Akzent für Überschriften, Claims und Auszeichnungen.

Für informationsreiche Anwendungen führte ich die schmal laufende Roboto Condensed ein. Sie ermöglichte es, Speisekarten, Menüboards und andere kompakte Formate mit großen Informationsmengen klarer zu strukturieren. Auch die vorhandenen Markenfarben wurden präzisiert: Das Orange erhielt einen weniger alarmierenden Charakter und reproduzierbare Entsprechungen für unterschiedliche Produktionsverfahren; Schwarz wurde vertieft, aber zunehmend als Overlay statt als flächiger Hintergrund eingesetzt. Holzoberflächen übernahmen diese Funktion und verbanden die Kommunikation stärker mit der Atmosphäre des Restaurants.

Viel Auswahl braucht klare Zeichen

Eine gastronomische Speisekarte muss nicht nur Appetit machen. Sie muss Preise, Varianten, Zutaten und Eigenschaften auf begrenztem Raum so organisieren, dass Gäste möglichst schnell finden, was für sie relevant ist. Für Baba’s Kitchen entwickelte ich deshalb wiederkehrende Kennzeichnungen für Gerichte mit Fleisch, ohne Fleisch, vegane Angebote und scharfe Speisen. Zusammen mit der systematisierten Allergen- und Inhaltsstoffkennzeichnung entstand so eine visuelle Orientierung, die sich durch digitale und gedruckte Anwendungen ziehen konnte.

Auch komplexere Informationen wurden bewusst verdichtet. Unterschiedliche saisonale Öffnungszeiten strukturierte ich so, dass Abweichungen schnell erfassbar blieben. Hinweise, die sich deutlich vom übrigen Inhalt unterscheiden mussten, erhielten mit einer gerissenen Papierkante eine eigene gestalterische Ebene. Das Motiv referenziert Bons, Bestellzettel und handschriftliche Notizen aus der Gastronomie und entwickelte sich bis hin zu einer eigenen Containerform für die Website.

Vereinzelte arabische Schriftzüge ergänzten das System. In einer gestalterisch an die verwendete Schreibschrift angelehnten arabischen Typografie machten sie die Herkunft der Betreiberinnen sichtbar, ohne daraus ein folkloristisches Gestaltungsthema zu entwickeln.

Vom System in den Betrieb

Die entwickelten Gestaltungselemente mussten sich anschließend unter realen Bedingungen bewähren. Es entstanden die endgültige Speisekarte, Menüboards, Aushänge und Aufsteller ebenso wie Fensterbeschriftungen, Visitenkarten, Gutscheine, Flyer und weitere Kommunikationsmittel. Sämtliche gezeigten Anwendungen wurden tatsächlich für Baba’s Kitchen umgesetzt und eingesetzt.

Dabei reichte die Spannweite von großformatigen Preis- und Angebotsinformationen bis zu kleinen Printprodukten. Bereits vorhandene Food-Fotografien wurden so bearbeitet und eingesetzt, dass sie sich in das neue Erscheinungsbild einfügten; sämtliche neu entwickelten Texte und Claims entstanden ebenfalls im Rahmen der Zusammenarbeit. Die zuvor definierten Regeln für Typografie, Farbe, Fotografie, Kennzeichnungen und grafische Elemente hielten die unterschiedlichen Anwendungen visuell zusammen.

Analog rein, digital raus – und zurück

Parallel zur Kommunikation vor Ort übernahm ich die Pflege der digitalen Präsenz. Neben der Website und den Social-Media-Kanälen wurden Profile auf lokalen und gastronomischen Plattformen aufgebaut und miteinander verknüpft. QR-Codes auf Aufstellern im Restaurant führten Gäste aus dem physischen Raum direkt zu diesen Angeboten.

Anfang 2023 wurde Baba’s Kitchen bei Restaurant Guru mit „Beste Pizza Schönberg 2023“, „Top 10 Veggie Schönberg 2023“ und „Empfohlen Schönberg 2023“ ausgezeichnet. Die Auszeichnungen wurden anschließend wieder Teil der Kommunikation vor Ort: als Folienplots auf der Eingangstür, unmittelbar unter den ebenfalls neu strukturierten Öffnungszeiten. Digitales und analoges Erscheinungsbild bildeten damit keinen getrennten Auftritt mehr, sondern einen gemeinsamen Kommunikationskreislauf.

Mehr als die Summe seiner Medien

Die Zusammenarbeit endete im Laufe des Jahres 2023 mit dem Verkauf von Baba’s Kitchen durch die verbliebene Inhaberin. Zurück blieb ein Projekt, das nie als umfassendes Branding geplant gewesen war und gerade deshalb prägend wurde.

Baba’s Kitchen zeigte mir früh, dass Kommunikationsdesign nicht mit Logo, Farbe oder einer gelungenen Speisekarte beginnt. Die entscheidende Aufgabe kann ebenso in einer unübersichtlichen Informationsstruktur, einer behördlichen Anforderung oder der Frage liegen, wie Gäste zwischen Restaurant, Website und digitalen Plattformen geführt werden. Aus einer Website gegen ein Abendessen wurde so ein Erscheinungsbild, das mit den tatsächlichen Anforderungen eines Gastronomiebetriebs wachsen konnte.

Bild- & Projektnachweise

URSPRÜNGLICHE LOGOGESTALTUNG
X-Cut Schönberg, 2020; behutsame Überarbeitung, Entwicklung zusätzlicher Logo-Abstufungen und Überführung in das erweiterte Erscheinungsbild durch Timo Niels Lindner, 2021.

FOOD FOTOGRAFIE
im Auftrag von Baba’s Kitchen vor Beginn der Zusammenarbeit entstanden; gestalterische Bearbeitung und Integration in das Erscheinungsbild durch Timo Niels Lindner.

WEITERE FOTOGRAFIE
Keith Misner auf Unsplash

Weitere Projekte: