Editorial · Typografie
Glassworks by Philip Glass

Von Minimal Classic zum typo­grafischen Fan- & Programm-Zine

Ein experimentelles Programm-Zine für eine fiktive Aufführung von Philip Glass’ „Glassworks“ am Opernhaus Kiel. Das Projekt übersetzt die Prinzipien der Minimal Music – Wiederholung, Überlagerung und schrittweise Veränderung – in Typografie, Bildführung und eine wandelbare Faltkonstruktion. Aus einem einzigen DIN-A4-Bogen entstehen ein kompaktes Programmheft im Format DIN A7 und ein vollflächiges signiertes Komponisten-Poster für eingefleischte Fans.

Von Schrift zu Musik

Ausgangspunkt war die Aufgabe, eine selbst gewählte Schrift zu untersuchen, experimentell anzuwenden und mit einem musikalischen Thema zu verbinden. Meine Wahl fiel auf die Serifenschrift Cospiog und Philip Glass’ Komposition „Glassworks“. Die feinen Strichkontraste und auffälligen Ligaturen der Schrift prägen Titel, Überschriften und großformatige typografische Ebenen. Eine schmale serifenlose Schrift übernimmt die längeren Texte und Veranstaltungsinformationen. Durch Größenwechsel, Drehungen, Anschnitte und Überlagerungen entsteht ein Spannungsfeld zwischen expressiver Typografie und funktionaler Lesbarkeit.

Porträt, Brillenglas und Typografie

Das zentrale Porträt zeigt Philip Glass mit einem runden Brillenglas vor seinem linken Auge. Dieses Detail wird zum inhaltlichen und visuellen Schlüssel des Entwurfs: Das reale Glas im Bild verbindet die Person Philip Glass unmittelbar mit dem Titel „Glassworks“.

Auf dem Cover trifft das Brillenglas genau auf die vertikale Teilung zwischen weißer Informationsfläche und dunkler Fotografie. Die Falzkante schneidet durch Bild und Titel und lässt beide zunächst nur fragmentarisch erscheinen. Beim Öffnen der schmalen Coverflächen wird das vollständige Porträt sichtbar. Die vertikal gesetzte Typografie folgt dabei der Achse von Stirn, Glas, Hand und Unterarm. Auf dem aufgefalteten Poster setzt sich diese Komposition in voller Größe fort: Porträt, Brillenglas, Signatur und Schrift bilden ein gemeinsames Motiv.

Ein Bogen, zwei Zustände

Das Zine wird aus einem beidseitig bedruckten DIN-A4-Bogen gefertigt. Die Programmseite ist durch ein Falzraster in zehn nummerierte Leseflächen gegliedert. Ein mittiger Einschnitt ermöglicht die Faltfolge, durch die aus der flachen Drucksache ein kompaktes DIN-A7-Heft entsteht. Die gestaffelten Flächen führen vom Cover über Termin und Porträt zu Vorwort, Komponistenbiografie, Programm, Besetzung, Danksagung und weiteren Aufführungshinweisen.

Wird der Bogen vollständig geöffnet, löst sich die kleinteilige Seitenstruktur auf. Auf der Rückseite erscheint das DIN-A4-Poster als zusammenhängende Bildfläche. Die Konstruktion verbindet damit zwei Anwendungen in einem Objekt: Das Zine vermittelt die Inhalte des Abends, während das Poster die visuelle Identität nach außen trägt. Falzung und Einschnitt sind nicht nur produktionstechnische Mittel, sondern bestimmen, wie Bild, Typografie und Information nacheinander entdeckt werden.

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